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Besuch einer südafrikanischen Ringtennisdelegation

Januar 2000


Als Organisationsleiter des Aufenthalts in München und Begleiter der Tour als Fahrer bis Karlsruhe kann ich hier für alle Interessierte einen Überblick der Ereignisse in diesem Zeitraum geben.

Allgemeines

Die Zusammensetzung der Delegation war mehr oder weniger eine Privatreise zweier befreundeter Familien. Das Leistungsspektrum reichte von mittlerer Allgemeinen Klasse bis hin zum südafrikanischen Vizemeister im Herreneinzel. Es waren 8 Personen, wovon ich 6 von meiner Südafrikareise von 1993 kannte.

  • 19.1. – 23.1. München
  • 23.1. – 25.1. Mimmenhausen
  • 25.1. – 27.1. Karlsruhe
  • 19.1. – 23.1. München

    Als einer der ersten erklärte sich der TSV Neubiberg-Ottobrunn bereit, die Gäste aufzunehmen. Also genauer gesagt, ich war sofort bereit und alle Abteilungsmitglieder haben hervorragend mitgezogen. Nur deswegen hat am Ende alles so reibungslos geklappt. Der Anfang dagegen war eher chaotisch.

    Noch am Freitag 14.1. und Montag 17.1. bekam ich Emails von Hein aus Südafrika, daß alles wie geplant laufe und sie würden am 19.Februar ankommen. 19.Februar? Dies stürzte mich in eine große Panik. Wir und einige mehr in Ringtennisdeutschland erwarteten sie doch in 2 Tagen. Alle Versuche Hein telefonisch zu erreichen, schlugen fehl. Erst Emails an Jeanette de La Rey und ein Anruf bei Al Italia schafften Klarheit. Es war – dem Gott der Reiseplanung sei Dank – nur ein Tippfehler.

    Am Dienstag den 18.1. erreichte uns eine weitere Nachricht von Hein: Ankunft aus Mailand nicht 9:50 sondern 17:20. Nun mußten wir unseren vorgesehenen Ablauf doch wieder kurzfristig umstellen. So standen Reiner, Wolfgang und ich am Mittwoch Nachmittag am Flughafen als Empfangskomittee bereit. Boris Becker, der zusammen mit den Südafrikanern aus dem Ausgang kam, wurde von uns ignoriert – schließlich waren wir nicht wegen ihm da. Dank ihrer einheitlichen Kleidung mit dem Aufdruck "Ringtennis Europatoer 2000" waren sie auch leicht zu erkennen.

    Schnelle Verteilung auf die Autos, weiter zu den Gastfamilien (ein Dankeschön an Christa & Holger, Silvia & Frank, Eva & Klaus), Abendessen und Treffen im Pub beendete den ersten Tag.

    Am Donnerstag war Sightseeing in München angesagt. Die Betreuer des Tages Wolfgang, Roland und ich führten sie zu allen Attraktionen der Innenstadt wie Rathaus, Marienplatz, Alter Peter (307 Stufen), Dallmayr, Residenz, Feldherrnhalle, Hofgarten etc. Mittagessen und eine erste Maß im Hofbräuhaus waren Pflicht. Am Nachmittag ging's zum Nymphenburger Schloß. Schon der Zugang über die zugefrorenen Kanäle hatte für die Eisunerfahrenen in Turnschuhen buchstäblich "umwerfende" Wirkung. Nach einem Kaffee im Palmengarten und einem Snack in den Käferhallen waren wir gerüstet fürs erste gemeinsame Training. Wir spielten immer schön gemischt und versuchten uns auf die jeweilige Spielweise einzustellen. Die 21 Personen, die Spaß am Spielen hatten, dehnten die Trainingszeit sogar bis 22:30 aus. Die anschließende Einkehr um 23:00 in unsere Stammkneipe war eine weitere ungewohnte Erfahrung für die Gäste. So spät noch in einen öffentlichen Pub gehen?

    Freitag sollte der Tag des Schnees werden. Mit 3 Autos machten Reiner, Frank, Silvia und ich uns auf den Weg den Besuchern das Schnee- und Eisparadies Spitzingsee zu zeigen. Leider war das Paradies wie immer wegen schweren Schneefalls kaum erreichbar. Als alle steckenblieben konnten wir Gott sei Dank Franks Auto mit Schneeketten zu einem Shuttle umfunktionieren. Schon 2 Stunden später konnten wir dann mit unsern 9 Schlitten zu einer Rodeltour starten. Besonders bei der Abfahrt war es ein Heidenspaß für die Leute vom afrikanischen Kontinent, die noch keinerlei Erfahrungen mit Schnee hatten. Sie tollten herum wie Kinder und befanden sich mehr unter als auf dem Schnee.

    Der Weg zurück nach München war nicht minder beschwerlich, da auch hier mitllerweile über 20cm Schnee gefallen waren. Eigentlich war der ganze Ausflug völlig sinnlos – wir hätten das gleiche in München haben können. Aber wie kann man das ahnen? So kam zum Spaß auch noch das Abenteuer.

    Das Raclette bei Holger am Abend war der ideale Ausklang eines solchen (Schnee)-chaostages. Daß es den Afrikanern auch abends gut gefallen hat, bewies die Shoppingtour am Samstag Vormittag. Stolze Beute: 4 Raclettegeräte als Souvenirs.

    Am Nachmittag fand der internationale Wettkampf statt. Wir ließen 2 Mannschaften à 8 Spieler gemäß einer aufgestellten Rangliste gegeneinander spielen (4 Einzel, 4 Doppel, 4 Mix). In einer sehr fairen und angenehmen Atmosphäre konnten wir das Endergebnis trotz vieler knapper Spiele nicht günstig gestalten. Man merkte deutlich, daß dies kein hochoffizieller sondern ein privater Besuch war. 21:3 für die Gäste wurde als Endstand verlesen. Da das aber schon vorher abzusehen war, gab es für uns kein Hindernis, den Abschlußabend zusammen mit unsern Freunden, einem Essen und einem Bier im Nebenraum unserer Vereinsgaststätte zu verbringen.

    Am Sonntag morgen wurde der Kater mit einem letzten Weißwurstfrühstück mit Weißbier ausgetrieben. Schließlich war die Nacht durch das Weiterfeiern bei den Gasteltern wie immer sehr kurz.

    Der Abschied von München war herzlich, da man sich in diesen 5 Tagen doch recht gut kennenlernte. Ein dickes Dankeschön an die Abteilung für die intensive Mithilfe und ihre liebenswürdige Offenheit.


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    23.1. – 25.1. Mimmenhausen

    Mit 2 Mietwägen (Kombis mit Sommerreifen) konnten wir punkt 12:00 den Weg nach Mimmenhausen antreten. Für 15:00 waren dort die Pfahlbauten in Uhldingen reserviert. Doch es kam anders. Im Allgäu kurz nach Memmingen gab es einen Schneesturm. Der tiefe Schnee auf der Straße und der Steigung hinderten mich am Anhalten, obwohl Hein hinter mir plötzlich stark ins Schlingern geraten war. Kein Auto mehr von hinten, keine Möglichkeiten zum Anhalten. Was tun? Bei langsamer Fahrt bin ich dann 3 Ausfahrten später rausgefahren. Am nächsten Telefonhäuschen versuchte ich Heins Handy anzurufen. Ohne Erfolg. So bat ich jemand in München dies für mich zu tun und ihm zu sagen, daß ich umdrehe und von Memmingen aus nochmal durchstarte. Also 20min zurück und erneut durch den Schneesturm mit Sommerreifen. Hoffentlich war nichts Schlimmeres passiert! Bei Aitrach war ein Unfall und ich parkte einfach hinter dem Polizeiauto. Ich stellte fest, daß ich mit diesem Unfall nichts zu tun hatte, bat aber die Polizei um Hilfe. Die wußten aber leider (oder glücklicherweise) auch nichts von den versprengten Südafrikanern, die mir abhanden gekommen waren. Ich fuhr weiter. Viele Unfälle aber keine Spur. Als ich in Wangen erneut mit München telefonierte erfuhr ich, daß Hein bei Lindau weitergefahren war und in Österreich vor der "tschechischen" Grenze gewendet hatte. (Daß CH Chekoslovakia bedeutet, war sonnenklar). Nachdem sie mit Handyhilfe bis Mimmenhausen geleitet wurden, kamen wir um 17:30 ungefähr gleichzeitig in der Pension Öttel an. Ihr einziges Problem war, daß das Auto seitlich wegrutschte, so daß Frans de Bruin seitlich im Schneegestöber rennend und drückend das Auto in der Spur halten mußte. Gott sei Dank war nichts Schlimmeres passiert.

    Der nächste Tag bei eisiger Kälte (-15°C) wurde mit einem Empfang beim Bürgermeister von Salem und Sightseeing (Meersburg und Kloster Birnau) verbracht, bis um 17:30 der nächste Wettkampf anstand. Ich mit den Südafrikanern gegen eine kombinierte Mimmenhausener/Konstanzer Mannschaft (4HE, 5DE, 2HD, 2DD, 4Mix). Ein Match, daß wir glücklich 22:12 gewinnen konnten. Ein leckeres Buffet in der Pension Öttel rundete den Abend ab.


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    25.1. – 27.1. Karlsruhe

    Am nächsten Morgen begaben sich 9 Personen und volles Gepäck in 2 Autos auf den Weg nach Karlsruhe. Bloß keine Tür öffnen, sonst quillt alles raus. Dennoch – wenn ich beim Durchqueren des Schwarzwaldes nicht vor dem größten Kuckucksuhrengeschäft gehalten hätte, hätte ich mein Leben riskiert. Im übrigen habe ich keine Ahnung, wo sie die Uhren noch verstaut haben. Vielleicht war doch noch ein Spalt frei zwischen den Raclettepfannen, den Maßkrügen und dem ferngesteuerten Auto.

    In Karlsruhe gab's eine kleine Party in Herzog's Keller. Es wurde geplaudert, getrunken und über die alten Ringtenniskontakte der 70ger philosophiert (filosofiert?). Am Mittwoch nach Schloßbesichtigung dann Shopping. Diesmal wurden Taschen eingekauft – warum nur?

    Für das kombinierte LBK/ESG Training von 18 – 22 Uhr war leider nur ein Schleifchenturnier organisiert worden. Unsere Gäste begannen auch schon langsam mit einigen Verletzungen zu verschleißen.

    Als ich dann Donnerstag Morgen zurück nach München fuhr, war eine Woche viel Spaß und Aufregung vorbei und ich hatte Schwierigkeiten, mich wieder an das einfache tägliche Leben zu gewöhnen. Ich habe keinen Tag bereut, obwohl ich nach dieser Woche Urlaub mit den Südafrikanern eigentlich urlaubsreif war.

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    Klaus Riehm
    Realisierung: Roland Funk